Bulgarien 82´
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Stefan
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REISENOTIZEN

 

1982 Bulgarien - Nessebar (Neu-Nessebar)

1. Reiseleistungsvertrag, Reiseziel, Abflug

Reisebuchung erfolgte beim Reisebüro der DDR am 23.03.1982 in der Zweigstelle am Alexanderplatz.

    Reiseanlaß: Jugendweihegeschenk an Stefan

    Reisezeit: 11.08. bis 25.08.1982

    Reiseform: Flug ab Berlin nach Burgas, Bustransfair bis Nesseba Ankunft auch in Berlin ab Burgas mit Bustransfair ab Nessebar

    Leistungen: Vollverpflegung Kategorie I, Menü

    Unterkunft in Privatzimmern -Kat. I,

    Taschengeld pro Person 212,00 Mark der DDR

    Preis: 1385,00 M pro Person plus Taschengeld

 

Nessebar lt. Prospekt:

 

Nessebar ist eine Museumsstadt. Es liegt in unmittelbarer Nähe des Seebades Sonnenstrand und 37 km nordöstlich von Burgas. Die Stadt ist außerordentlich malerisch auf einer kleinen Halbinsel gelegen, die durch eine enge Landzunge mit dem Ufer verbunden ist.

Nessebar wurde von den Thrakern während der Jungbronzezeit gegründet und war unter dem Namen Menabria berühmt. Im 6. Jh. v. u. Z. gründeten hier die Griechen aus Kalhedon und Byzantion eine Kolonie und benannten sie Messambria. Die Stadt war ein selbständiger Staat , die im 5. Jh. v. u. Z. eigene Münzen aus Silber und Bronze prägen ließ. Während der hellenischen Epoche vom 4. bis 1. Jh. v. u. Z. erlebte die Stadt eine Blüte.

Der Strand ist breit, mit feinkörnigem goldschimmernden Sand und natürlichen Sanddünen. Das Wasser ist warm und ruhig, es gibt keine Raubtiere. Der Sommer ist nicht heiß. Die Juli - Durchschnittstemperaturen der Luft und des Wassers liegen um 24 Grad Celsius. Vom Mai bis Oktober ist es sonnig.In 10 Minuten ist mit dem Bus das Seebad Sonnenstrand zu erreichen, wo es zahlreiche Möglichkeiten für Unterhaltung und Abwechselung gibt.

Die Stadt ist auch ein Hafen, in dem die Tragflächenboote der Linie Varna - Burgas - Sosopol - Istanbul landen. Linienbusse verkehren zwischen Nessebar und Pomorie, Burgas und Sonnenstrand.

Spezialitäten der bulgarischen Küche und auserlesene Getränke bieten folgende Gaststätten an:

“Kapitanska Sreschta”, “Messambria”, “Tscherno More”, “Losarska Kaschta”.

 

Sehenswürdigkeiten in Nessebar:

 

In der Altstadt sind wertvolle Baudenkmäler aus verschiedenen Epochen erhalten geblieben wie zum Beispiel

    -Festungsmauern aus der Antike und dem Mittelalter,

    -altbulgarische Kirchen,

    -Häuser aus dem 18. und 19. Jh..

Am sehenswertesten sind:

     -die Alte Metropolitenkirche,

     -die Kirche Der Heilige Johann der Täufer (10.-11.Jh.),

     -die Kirche Der Heilige Stephan,

     -die Kirche Erzengel Gabriel und Michael und

     -die Kirche Die Heilige Paraskewa.

Durch seine interessante Lage, wertvollen Überlieferungen aus vergangenen Epochen und einmalige Atmosphäre zieht heute Nessebar zahlreiche Besucher an.

 

Abflug von Flughafen Berlin-Schönefeld

 

Wir buchten eine Individualreise mit organisiertem An- und Abflug. Der Abflug erfolgte mit einer “BALKAN” Maschine TU 134 A,

    -Fassungsvermögen 72 Passagiere,

    -Flug-Nr.: LZ 526 nach Burgas

    -geplanter Start: 12.30 Uhr

    -tatsächlicher Start: 15.35 Uhr

    -geplante Ankunft: 15.50 Uhr

    -tatsächliche Ankunft: 18.30 Uhr

Von Burgas nach Nessebar bzw. von Nessebar nach Burgas war ein Bustransfair geplant mit “Balkantourist”  37 km.

    -Rückflug ab Burgas mit einer “BALKAN” Maschine TU 134 A,

    -Flug-Nr.: LZ 525 nach Berlin-Schönefeld

    -geplanter Start: 10.10 Uhr

    -tatsächlicher Start: 10.10 Uhr

    -geplante Ankunft: 11.30 Uhr

    -tatsächliche Ankunft: 11.45 Uhr

 

Wer eine Flugreise machen will, braucht Zeit und Geduld. Erstaunlicherweise findet man alles, sogar den Reisegruppentreffpunkt.

    -Ankunft am Flughafen: 10.45 Uhr

    -Abgefertigt :   11.40 Uhr

    -1. Notiz gemacht um 12.00 Uhr im Restaurant bzw. Wartehalle.

Der Abflug wurde auf 15.30 Uhr verschoben und es wurde auch nicht früher. An nicht notiertem Bargeld besaßen wir leider nur 3,00 M, reichlich wenig für eine so lange Wartezeit.

 

In der Luft

 

Es ist 5 Minuten vor 16.00 Uhr. Wir sind in der Luft und leben noch. Mir ist im Kopf wie nach einem Besäufnis. Ich kann mich nicht aus den Polstern vorbeugen. “Man” hält mich einfach fest!

Unter uns sehen wir eine Landkarte, einige große Seen.

Dann befinden wir uns im Eismeer und in einer Schneewüste mit Eisbergen!

Ab und zu klettert unsere Maschine noch ein Stück höher. Mitten beim Essen überflogen wir die Grenzen zur CSSR, Rumänien und Ungarn. In Budapest war dann die Esserei vorbei.

Um 17.15 Uhr sind am Fenster Eiskristalle. Die klare Luft ist weg. Wir befinden uns in einer Waschküche, und es ist nichts zu sehen. Die Maschine rüttelt irgendwie. Sie kippt nach rechts, und nun können wir etwas sehen - einen hellen flauschigen Wolkenteppich, so richtig zum Hineinwerfen. Auf der linken Seite das Bullauge bietet ein eigenartiges Bild. Jemand scheint eine Farbscheibe davorzuhalten. Das obere Drittel dieser vermeintlichen Farbscheibe ist blau, die unteren zwei Drittel grau. Zwischen beiden gibt es eine scharfe Trennung.

Die Eiskristalle wachsen.

Beim Abstieg des Flugzeuges hatte ich und auch andere Passagiere Probleme mit den Ohren. Wir landeten um 18.30 Uhr, Ortszeit 19.30 Uhr. In dem Gewühl von Menschen fand man tatsächlich den richtigen Bus , erwischte auch seine Gepäckstücke. In Nessebar am Reisebüro kamen wir um 20.15 Uhr an und empfingen auch unsere Quartieradresse..

2. Donnerstag 12.08.1982 Das Quartier und die  ersten Eindrücke

 

Wir dürfen im Neubau wohnen, sogar mit Balkon. Der Schrank ähnelt einem alten Küchenschrank, so wie Oma einen schon seit Jahrzehnten besitzt und der in der Garage steht.

Den ersten Muskelkater vom Koffer tragen haben wir inzwischen überwunden und den ersten Sonnenbrand auch.

Die Betten sind o.k. Zum Zudecken gibt es ein Laken und eine Wolldecke -für uns komisch, aber ausreichend. In der ersten Nacht hatte Stefan arg damit zu kämpfen. In der zweiten Nacht schien er die rechte Methodik gefunden zu haben. Die Wirtin, eine junge Frau mit einem Sohn, sahen wir bei unserer Ankunft, öfter noch nicht.

Außer uns wohnen in der Wohnung noch aus unserer Reisegruppe:

     -ein Pärchen und

     -eine Teilfamilie, wie wir es sind

Beim Koffer schleppen bemerkten wir, daß das Leben sich abends im Hof abspielt Dazu zählen auch fernsehen , sitzen, essen, brutzeln (grillen, jedenfalls so eine Art). Das ist zumindest in den kleineren Häusern so. In den größeren neuen Häusern scheint es wie bei uns zu sein.

Das Neubauviertel in Neu-Nessebar wirkt nicht so chaotisch wie Marzahn in Berlin. Durch die vielen Balkone, die meisten mit Grünpflanzen bestückt, wirken die Häuser insgesamt menschlicher. Vor unserem Haus steht Oleander mit roten und weißen Blüten, ca 1,20 m hoch. Auf einem Balkon stand ein ebenso hoher Kaktus. Fast überall in den Gärten gibt es Weintrauben.

Im Laden sehen wir z. B. Gurken, Tomaten, Melonen (3 Arten), Pfirsiche, Weintrauben und Äpfel. Beim Einkaufen kann man die Sprache gebrauchen, die Mengenangaben sind schon nützlich. Meistens versteht man deutsch, so daß man sich nicht aufraffen kann bulgarisch zu lernen. Tut man es doch, vergißt man sehr schnell wieder.

Wir wagten uns in Restaurants zum Essen. Man ist auf sie angewiesen, sogar zum Frühstück.

Zu zweit sieht das finanziell so aus:

    -20 Lewa pro Person und Tag stehen zur Verfügung,

    -5 bis 7 Lewa kostet das Frühstück,

    -8 bis 10 Lewa ein warmes Essen und

    -6 Lewa imbißartige Speisen.

Das ist recht teuer, besonders das Frühstück. Vielleicht schaffen wir es, das Frühstück, was uns wirklich schweinisch teuer vorkommt, im Zimmer zu machen.

 

3. Donnerstag 12.08.1982 Die Südbucht von Nessebar

Grundlage für geplante Unternehmungen war das Buch von Reiner KrauseTauchen im Schwarzen Meer”, herausgegeben 1976 vom VEB F.A. Brockhaus Verlag Leipzig, 3. Auflage.

Wir fanden die Südbucht von Nessebar wie im Buch beschrieben. Das Wasser war ruhig und klar, aber keine 12 m Sicht!

Der Eindruck war gut, der Weg dahin steinig.

Etliche Schnorchler trieben sich dort  herum, meist Bulgaren. Sie sammelten Algen, Schnecken und Krabben. Wir schauten und staunten, daß alles so ist wie in dem Buch beschrieben, -schön. Krabben liegen im Sand, andere helle und kleinere huschen seitwärts rennend. Es wimmelt von Schneckengehäusen, die sich auch bewegen und vom Einsiedlerkrebs bewohnt sind. Miesmuscheln sah ich, so groß wie meine Faust. Kleine Fische liegen auf dem Grund, 5 cm und auch 7 cm lang und sandfarben. Sie sind scheu. Wir nehmen an, es sind Sandgrundeln. Fischschwärme, eventuell Lippfische, waren zu sehen, einige etwas größer als 10 cm. an Steinen, zwischen den Algen, gibt es viel zu sehen. Ich sah grüne Lippfische, 5 bis 7 cm lang. Eventuell sah ich auf einem Stein ein Schwarzgrundelmännchen. Sie sind wohl blauschwarz und bauen Laichmulden.

 

Das Erlebnis des Tages für mich:

     -ein Fisch schob sich aus dem Algenbusch, ähnelte einem Wels, sieht etwas unförmig aus, war 20 - 25 cm groß und: gesprenkelt. Vielleicht finde ich ihn wieder.

Wir beginnen eine kleine Sammlung.

 

4. Freitag 13.08.1982 zwei von Millionen am Sonnenstrand

 

Heute ist am Sonnenstrand trübes Wasser, aufgewühlt durch die Wellen. Zum Tauchen ist das nicht geeignet. Zum Nachmittag kommen aber Wellen, die wir genießen wollen.

Rausschwimmen geht nicht, da sind Bojen gesetzt. Danach soll der Grund wohl steil abfallen.

 

Ungewohnt ist:

     -wer zum Strand will, bezahlt Eintritt! Für uns ist das schon bezahlt mit der Reise.

    - ein Sonnenschirm kostet pro Tag 1,20 Lewa!

Heute leisteten wir uns das. Morgen gehen wir wieder tauchen.

 

5. Montag 16.08.1982 Taucherfolge am späten Vormittag

 

Heute wollten wir “früh” aufstehen, d.h. nicht erst um 10.00 Uhr wie gestern, um in unsere Südbucht zum Schnorcheln zu gehen. Morgens scheint das Wasser ruhiger zu sein. Das bedeutet, es ist klarere Sicht, und die Tiere verkriechen sich nicht so.

Stefan zog sich als erster ins Wasser zurück, um “seine” Krautbank aufzusuchen. Ich ging noch ein wenig am Ufer entlang in der Hoffnung nach dem gestrigen Wind, der an einigen Stellen am Ufer einen Algenteppich zurückließ, etwas interessantes zu finden. Ich fand eine vom Schwamm durchlöcherte Austernschale. Im Buch wird dieser Schwamm als Bohrschwamm bezeichnet. An einer weiteren Austernschale konnte man die Schichtung gut erkennen.

Stefan kam freudig erregt aus dem Wasser. Seine ersten 2 Rapanas brachte er mit. Das war ein toller Erfolg, und es ist schön, daß er er ihn als erster hatte, denn es ist ja seine Reise.

Wir hatten im Buch gelesen, wie man die Schnecken aus dem Gehäuse bekommt. Die Ausführung gelang aber noch nicht. Wir hielten Messer und Schnecke einem jungen Menschen neben uns hin, und er machte sich bereitwillig an die Arbeit. Der Fuß der Schnecke blieb allerdings im Gehäuse. Trotzdem schenkte ich ihm einen Flaschenöffner, und ich hatte den Eindruck, daß er sich freute. Ich hatte inzwischen violette Finger von mehr oder weniger vergeblichen Versuchen, den Fuß aus dem Schneckengehäuse zu entfernen. Stefan verbog den stricknadelförmigen Stiel meines Stielkammes und müht sich damit mit den 3 weiteren Schnecken ab, die er auf unserem gemeinsamen Tauchgang fand. Dabei entwickelten sich unsere Sonnenbrände.

Die Rapanas werde ich fotografieren.

 

6. Dienstag 17.08.1982 Quallentag an der Südbucht

 

Voller Hoffnung auf ruhige See und klare Sicht machten wir uns nach der Nachmittagssiesta auf den Weg zur Südbucht. Heute wollten wir noch einmal tauchen, aber nicht unbedingt Rapanas mitbringen. Unser ertauchter Rapanabestand war auf 9 Stück angewachsen. Ich selbst holte 2 davon aus dem Wasser. Meine schlechten Augen machen sich langsam nachteilig bemerkbar. Um etwas Näheres auf den großen Steinen, besser Felsen, zwischen Algen und Miesmuscheln erkennen zu können, muß man in der Tat abtauchen. Auch dann sind sie schwer auf den Steinen auszumachen, da sie mit Algen bewachsen sind und da unten selbst wie Steine aussehen. Heute gelang es Stefan, der sich richtig ein bißchen zum Naturburschen entwickelt, den erschlafften, schon prächtig stinkenden Schneckenfuß aus dem Rapanagehäuse zu entfernen. Es begann damit, daß er “seine” große Rapana noch einmal auswaschen ging, da die Glasur von dem säurehaltigen Sekret getrübt werden soll. Ganz freudig erregt kam er zurück aus dem Dusch-/Waschraum, denn es war ihm gelungen, den nun erschlafften Fuß, -einem spiralförmigen Schlauchende. bis zum letzten Zipfel herauszudrehen, So ähnlich stelle ich mir einen Blinddarm vor. Nun entwickelte sich eine Aktivität bei Stefan, sein Glück auch bei den anderen Rapanas zu probieren.

Das ist wunderbar, denn wir nahmen unseren stinkenden Fund heute mit an den Strand, damit der Balkon nicht so stinkt. Die Schlepperei hörte dann auch auf.

Heute schienen wir ein bißchen ein Formtief zu gaben. Wir waren schon k.o. bei der Ankunft an unserer Einstiegsstelle. Es sollte “geschaut”, eventuell noch Krabbenpanzer o.ä. mitgebracht werden.

Aber das Schauen war recht mühselig. Es war noch leichter Wellengang, das Wasser trübe und besonders vorn mächtig aufgewühlt. Schwamm man auf dem Grund entlang, sah man die Löcher im Sand von bestimmten Würmern (Seeringelwurm) und auch die Häufchen Sandwürstchen einer anderen Sorte Würmer (Pierwurm). Die vielen Netzreusenschnecken, mit denen der Grund am ersten Tag übersät war, hatten sich versteckt. Man sah sie nur vereinzelt und nicht mit Diogenes, dem Einsiedlerkrebs; sondern wirklich mit Schnecken besetzt, liegen. Die hellen Strandkrabben huschten seltener “über den Weg”. Plötzlich an einem bewachsenen Stein schlängelt sich eine Aalquappe ins schützende Algendickicht. Das war ein beachtliches Exemplar von ca. 30 cm Länge und dunkelbrauner Farbe. Das war für mich eine nette Überraschung, und es sei betont, daß ich keine Angstgefühle hegte, sondern recht freudig überrascht war. Vor einigen Tagen sahen wir Seenadeln. Eine kleinere, ca 15 cm lang, stand senkrecht im Wasser mit dem Kopf nach oben, und eine größere, ca. 25 bis 30 cm lang, schlängelte sich am Grunde dahin. Die kürzere faßte ich an, denn sie wirkte wie tot. Die Haut war rauh, aber sie machte doch einen Schlenker und zeigte mir, daß sie nicht tot war. Da ich sie nicht fangen wollte, gönnte ich ihr den Erfolg. Nun das, was heute eigentlich noch Besonderes war, war die -Quallensuppe- in der Krautbank (etwas übertrieben ausgedrückt natürlich).

Stefan und ich waren gemeinsam eingestiegen und ein Stück herausgeschwommen, ins “Krautige”. Plötzlich sah ich überall Quallen in allen Größen. Die kleinsten schwammen an der Oberfläche. Die größte hatte einen Durchmesser von ca 30 cm. Wir sahen einen Schwarm Fische, ca.15 cm lang, der bei unserem Nähern auseinanderstob. Vielleicht waren es junge Meeräschen, denn sie waren silbern ohne Zeichnung an den Flanken. Zwischen 2 großen Steinen huschte ein grüner Fisch entlang, auch 10 cm lang, mit einem Leckerbissen im Maul. Eventuell war es ein grüner Lippfisch. Einen einzelnen roten, 8 cm lang, sah ich auch, wie er sich Schutz suchend am Algengestrüpp aufhielt. Es schien der rote Augenflecklippfisch gewesen zu sein. Ein recht großer Fisch huschte fast ungesehen davon. Den Panzer von einer Dornkrabbe fand ich am Grunde eines bewachsenen Felsens. Stefan fand eine versteinerte Netzreusenschnecke als Besonderheit und unter den Felsen geklemmt ein Stück einer Rapana. Da die Glasur erhalten und die Ringform ganz nett war, wollte Stefan sie mitnehmen.

Zum Nachmittag schien es klarer zu werden, aber wir fühlten uns marode. Daher zogen wir gegen 14.30 Uhr los, essen und hielten dann die Siesta ab.

 

7. Donnerstag 19.08.1982 abends 22.15 Uhr, Emsiges Treiben bei den Fischen

 

Pa sagte am Parsteiner See, daß die Fische sich unsicher fühlen, wenn das Wasser trübe ist. Auch hier scheint es so bzw. so ähnlich zu sein. Bei bewegtem Wasser sucht alles Schutz, was an Getier im Meer keucht und fleucht.

Heute war aber gute Sicht, und der Anblick der vielen verschiedenen Fische war toll. Schwärme von großen und kleinen Fischen tummelten sich. Grundeln sahen wir mit einer Länge von ca. 25 cm. Da die Kopfpartie recht massig ist, ist man bei ihrem Anblick schon überrascht. Man sah heute deutlich, wie manch großer Fisch bei unserem Nahen in einer Algenhöhle verschwand. Eine Seenadel sah ich wieder und als Überraschung zwei mächtige Meeräschen, die ja beliebte Zielobjekte von Harpunenjägern sind.

Man kann das alles kaum beschreiben und oft eicht die Zeit zum Beschauen der Fische nicht aus, um sie identifizieren zu können. Die Fische sind eben schneller als wir.

Ich sah noch eine interessante Krabbe, die hinten so etwas wie einen Stützfuß besaß, mit dem sie sich in den Sand einbohrte. Leider getraute ich mich doch nicht sie anzufassen, und einen Beutel hatte ich auch nicht dabei.

Stefan entdeckte erstmalig Seekohl. Wir dachten erst, daß die langen grünen Blätter, die sich wie Wirsingkohl kräuseln und überall an den Steinen und Felsen wuchsen, Seekohl wären. Das wird aber eine Art Tang sein.

Stefan sah noch 2 Rapanas, ich allerdings nicht. Sein Blick scheint dafür schon geschärft zu sein.

Heute war bisher das schönste Taucherlebnis

 

8. Freitag 20.08.1982 Seepferdchen

 

 Taucherfolge nachmittags um 10.45 bis 15.30 Uhr

 

Wir, d.h. jeder für sich, stöberten ein Seepferdchen auf. Sie lagen auf Felsblöcken und man konnte sie durchaus mit einem Stück verfaulendem Ästchen verwechseln. Man konnte sie sogar mit der Hand berühren. Sie waren ca. 10 cm lang und hatten eine dunkelolivgrünbraunschwarze Farbe. Wir nahmen sie mit zum Strand und setzten sie in die mit Wasser gefüllte rote Gummitasche. Eines verkroch sich gleich im Tangbusch, das andere kundschaftete sein Gefängnis aus und versuchte immer nach oben zu schwimmen. Da dabei aber sehr rasch die Wasseroberfläche erreicht wurde, muß es wohl arg verwundert gewesen sein. Den Versuch, nach oben zu schwimmen, wiederholte es etliche Male. Da der Seepferdchenbestand im Schwarzen Meer schon arg dezimiert war, entschlossen wir uns, beiden Tierchen wieder die Freiheit zu geben. Statt dessen planten wir eines zu erwerben, von denen, die als Souvenir angeboten werden, aber auch ertaucht sind.

Als weitere Besonderheit erblickte Stefan die gelbe Variante des Augenflecklippfisches und eine Garnele. Die Garnele stand auf einem kleineren Felsenstein und war 3 bis 4 cm lang.

Das gekaufte Seepferdchen kostete dann 1,50 Lewa.

 

9. Sonnabend 21.08.1982, Taucherlebnis am “Kap” von Alt-Nessebar

 

Am Sonnabend tauchten wir am “Kap” von Alt-Nessebar, zur Nordseite der Bucht hin.

Dort ist Steilküste, von der, wie wir sahen, auch Müll heruntergeschüttet wird.  Der schmale Uferstreifen war steinig und vereinzelt sogar mit einer “Tretmine” verziert. Es waren etliche Algen vermischt mit Miesmuscheln und anderem Getier angeschwemmt. Das Ganze roch also auch nicht sehr anziehend. Aber, und das vertrieb uns nicht gleich wieder, es wurde geschnorchelt und gebadet! Wir fanden eine halbwegs begehbare (wir sind ja doch noch recht empfindlich!) Einstiegstelle und tasteten uns Schritt für Schritt ins Wasser vor. Wir merkten, im Wasser die Algen und Tange waren nicht angeschwemmt, sondern wuchsen dort zwischen bzw. an kleineren Steinen. Das Wasser war knöcheltief und nach 2 m knietief. Dort tauchten wir ab. Ich benutzte, übrigens erstmalig seit langem hier, meinen Rettungsanker, sozusagen eine moralische Hilfe, das rote Gummikissen/-tasche.

Uns bot sich ein wunderschönes, unvergeßliches Bild in prächtigen Farben. Die wie Wirsingkohl geformten Blätter der Pflanze, wie wir sie schon gesehen hatten, waren eigenartigerweise recht kurz und herrlich maigrün. Die Landschaft war felsig. Die Felsen und röhrenähnlichen Gebilde waren mit Miesmuscheln bedeckt und mit den beschriebenen Pflanzen, von denen ich noch nicht weiß, ob es Algen oder Tange sind.

Stefan sah bunte Kreiselschnecken auf Muscheln oder Steinen. Die große Vielfalt der Fische von unserer Südbucht schien zu fehlen. Dafür waren die Grundeln rechte Prachtkerle und bis zu 25 cm groß. Auf den “Wiesen” weideten Schwärme von Meeräschen. Einzelne Prachtexemplare von

Meeräschen sahen wir auch. Eigenartigerweise boten die Fischer im Hafen von Alt-Nessebar Meeräschen an, die nicht sehr groß waren. Sie hatten ungefähr die Größe der Meeräschen, die wir im Schwarm gesehen hatten.

Stefan hob einen Stein vom Grund auf, und siehe da, es war eine Rapana! Sogar das Ausnehmen gelang letztendlich. Als Andenken bleibt ihr Verschlußdeckel, den Stefan aufhob.

Wir sahen auch einzelne Lippfische, die alle größer waren als an unserer anderen Tauchbucht.

Diese 2 Einstiege bleiben unvergeßlich. Dieses Erlebnis wird auch in Zukunft Anreiz bleiben, es anderswo mit Tauchen zu probieren, auch wenn das Umfeld abstoßend wirkt.

Das Wichtigste und Neueste von all unseren Tauchgängen vergaß ich:

Stefan entdeckte die Purpurrosen, die in dem Buch von Reiner Krause auch beschrieben wurden. Ganz vorn am Ufer nahm er einen Stein hoch und sah sie daran kleben, dunkelrot mit einem Durchmesser von bis zu 2 cm. Dann probierten wir unser Glück auch an anderen Steinen, und wir waren noch öfter erfolgreich. Zwischen bzw. unterhalb von im Wasser liegenden größeren Felsbrocken entdeckte Stefan Felsenkrabben. Sie versuchten unheimlich fix wieder in ein Versteck zu gelangen.

Stefan kann sie, und ich nun auch, von den Dornkrabben gut unterscheiden. Die Form des Panzers und die Stellung der Augen sind zunächst wichtigstes flüchtiges Unterscheidungsmerkmal.

Einen solchen Panzer haben wir in unserem Gepäck nach Hause.

 

10. Sonntag 22.08.1982, “DAS” Erlebnis Bus fahren in Bulgarien

 

Das Bus fahren ist es wert, ein Kapitelchen gewidmet zu bekommen.

Hier in Nessebar gibt es einen Pendelverkehr, der von Alt-Nessebar über Neu-Nessebar ins Zentrum von Sonnenstrand (Sl. Brjag) führt. Da es in Alt- und Neu-Nessebar nur jeweils 1 Restaurant gibt, das Talons als Zahlungsmittel entgegennimmt, benutzten auch wir den Bus öfter. Zu Fuß dauert es von Neu-Nessebar bis zu den ersten Restaurants von Sonnenstrand fast 1/2 Stunde. Der Touristenstrom schwebt ständig hin und her und dementsprechend voll sind dann auch die Busse. Der Fahrpreis beträgt 0,06 Lewa = 6 Stotinkis.

Unsre erste Fahrt zur Endstation von Sl. Brjag kann man wohl als die Typischste bezeichnen. Wir stiegen in Neu-Nessebar am Reisebüro ein, was uns, obwohl der Bus eine Füllmenge a la Berufsverkehr in Berlin hatte, tatsächlich gelang. Luft holen war allerdings aus 2 Gründen nicht ohne weiteres möglich:

    1. durch das Gedränge, in dem man mindestens auf die Hälfte seines Körperumfanges zusammengequetscht zu werden schien und

    2. durch den durchdringenden Geruch (dieser Ausdruck ist wahrlich geschmeichelt) von Knoblauch und Zwiebeln, der einem die Atemwege erstarren ließ.

Zum Bezahlen kamen wir nicht auf dieser Fahrt. Zurück nach Neu-Nessebar liefen wir in Etappen.

Ein anderesmal wollten wir auch diese Strecke fahren, wohlgemerkt -wollten-! Die Anzahl von Menschen, die an der Haltestelle standen, hätten den Bus zur Hälfte gefüllt! Wir harrten der Busankunft mit gemischten Gefühlen. All unsere Erwartungen wurden dann auch übertroffen. Der Bus kam nämlich voller als knüppeldicke voll an und war es noch, nachdem etliche Leute ausgestiegen waren. Dann wurde das Gefährt gestürmt, ein Wunder, daß es nicht umkippte. Stefan klappte der Unterkiefer herunter, er konnte nur noch lachen, nicht mitstürmen.

Der Busfahrer klingelte ab und fuhr dann los. Eine Bustür war auf und ging nicht zu. Die letzten fuhren auf dem Trittbrett mit.

Da uns der Sprung auf das Busdach nicht gelang, zogen wir es vor zu laufen!

 

11. Dienstag 24.08.1982, Miesmuscheln essen -das letzte Erlebnis-

 

Gestern und heute war der Himmel grau. Draußen wirkte es zum Baden ungemütlich. Zum Abschluß wollte ich aber doch noch einmal in unserer Südbucht schnorcheln.

Wir begannen kleine Spielereien mit Krabben. Wir setzten sie in eine Mulde eines Felsblockes am Ufer. Diese Mulde war schon mit Wasser gefüllt und mit Algen bewachsen. Zwei Pärchen Bulgaren begannen sich ein wenig zu beteiligen, indem sie auch Krabben brachten und Muschelfleisch fütterten. Das war ein interessantes Schauspiel. Dann sah ich, wie die Männer dieser Bulgaren das Rösten von Miesmuscheln vorbereiteten.

Mein Ziel war, welche zu kosten.

Ich schnorchelte, brachte einige mit und verständigte mich mit den Burschen.

 

Das Zeremoniell verlief dann so:

    - Reisig und Holzäste suchen und zwischen zwei Steinen schichten,

    - “das Röstblech”, was überall an diesen Stränden zu finden ist, darüberlegen,

    - Feuer entfachen,

    - Miesmuscheln in einem Einkaufsnetz einige Male ins Meerwasser tauchen, auf deutsch waschen, denn sie sind oft noch sandig und das knirscht dann so zwischen den Zähnen

    - dann die Miesmuscheln auf dem Blech ausbreiten.

    - Sind die Muschelschalen geplatzt, sieht man das Muschelfleisch goldbelb leuchten,

    - auf ein Stöckchen hängen, zur Abkühlung ins Wasser tauchen (ins Meer natürlich),

    - Schalen aufbrechen und Muschel salzen und am faserigen Ende anfassen.

    - Das faserige Ende festhalten, den Rest in den Mund stopfen und essen.

Stefan und mir schmeckte es und das will bei uns Fischmäklern etwas heißen. Ich verschenkte eine rote Plastetasche, denn für uns war das ein wunderschönes Abschlußessen am Strand.

 

12. Mittwoch 18.08.1982 Busexkusion nach Varna und Baltschik

 

Eine Busfahrt durch die Landen hat den Vorteil, daß man einen Blick auch auf andere Orte werfen kann, um vielleicht diese mal als Reise- / Urlaubsziel zu wählen.

In Varna sahen wir uns zum Beispiel an:

    - das Zentrum der Stadt,

    - Kirche Sweta-Bogorodiza,

    - das Aquarium, von dem wir etwas enttäuscht waren,

    - Das dramatische Theater “Stefan Batschwarom” aber nur von außen,

    - Kirche mit “Die Heiligen Kyrill und Methodius Ikone”

    - St. Ilija Ikone

    - die römischen Thermen

 

In Baltschik sahen wir uns zum Beispiel an:

 

    - Botanischen Garten, früher Residenz der Königin Maria,

    - Villa Obsor,

    - Erholungsheim der Künstler und Wissenschaftler mit Park und Nympheum

     

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